Die Holzlüge – woher stammt eigentlich mein Brennholz?

Mit dem stets wachsenden Bedarf des Energieträgers Holz verschwimmt die Grenze zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und Raubau an der Natur. Die Menge an Brennholz und Holzpellets aus heimischen Wäldern reicht bei Weitem nicht aus, um den expandierenden Markt abzudecken. Holzimporte aus EU-Schwellenländern und dem europäischen Ausland ebnen den Weg für illegale Abholzungen und Kahlschläge. Der Verbraucher ist gefragt! Nicht der niedrige Preis sollte die Kaufentscheidung diktieren, sondern die Herkunft des Holzes.

Raubbau im WaldBrennholz – Das wachsende Gold

Die Bezeichnung „wachsendes Gold“ ist innerhalb der Holzindustrie ein so gängiger Begriff, wie nie zu vor. Allein in Deutschland werden schätzungsweise um die 400.000 neue Kamine pro Jahr angefeuert. Der Markt für Brennholz und Holzpellets hat sich in der Bundesrepublik in den letzten 12 Jahren vervierfacht! Diese Entwicklung verhält sich in Österreich ganz ähnlich, wobei hier der Bedarf größtenteils vom landeseigenen Forstbestand abgedeckt wird. Noch! Denn auch hier diktiert der stetig wachsende Bedarf an dem erneuerbaren Energieträger Holz den Markt.

Preise für Brennholz nehmen rasant zu

Die Preise für Holz haben in Deutschland einen Spitzenwert erreicht. Die günstigste Variante für den Verbraucher ist das eigenständige Ernten. Wer in Deutschland das Glück hat, bei einem Förster das Recht zu bekommen, pro Jahr eine vorgeschriebene Menge an Holz zu ernten, zahlt um die 23,- Euro pro m3. Allerdings eignet sich diese Art der Brennmittelgewinnung nur für Verbraucher aus ländlichen Gegenden, die genügend Lagerplatz zur Verfügung haben. Schließlich muss das Holz selbst zerlegt und ca. zwei Jahre lang getrocknet werden.

Verbraucher, die in der Stadt leben, müssen ein Vielfaches mehr ausgeben. Zahlreiche Anbieter können via Internet gefunden werden. Inklusive Lieferung und je nach Holzart müssen zwischen 120,- und 300,- Euro pro m3 gezahlt werden. Allein +/- 90,- Euro fallen für die Lieferung an.

Die dritte Variante ist der Holzerwerb über Baumärkte. Die Preise pro m3 liegen hier um die 90,- bis 120,- Euro. Die Herkunft des Holzes ist bei diesen Preisen allerdings äußerst fragwürdig. Die Baumärkte können die Herkunft des Holzes nur bis zum Lieferanten zurückverfolgen. Dass bei diesen Preisen jegliche ökologische Nachhaltigkeit auf der Strecke bleibt, liegt auf der Hand.

Der Bedarf an Brennholz steigt – die Waldflächen bleiben konstant

Laut einer UN-Studie wird eine signifikante Zunahme des Holzbedarfs bis zum Jahre 2030 prognostiziert. Der Zuwachs basiert ausschließlich auf der Nutzung des Holzes als Brennstoff. Im Gegensatz zu dieser Entwicklung stehen die konstant bleibenden Waldflächen in Deutschland (circa 3,6 Milliarden m3) und sogar leicht wachsenden Waldflächen in Österreich.

Folglich muss Brennholz aus den umliegenden, waldreichen Ländern – wie beispielsweise Polen, Ukraine und Bulgarien – importiert werden. Bedenklich ist die Zunahme der Holzernte in diesen Ländern:

  • Polen – Zuwachs von 34 %

  • Ukraine – Zuwachs von 29 %

  • Bulgarien – Zuwachs von 109 %

Die ökologischen Folgen für die Waldgebiete dieser Länder sind bedenklich. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 nahm die Fläche der Waldeinschläge (gerodeter Flächen) in Osteuropa um circa 23 % zu. In Südeuropa sogar um mehr als 70 %. Zudem boomt der illegale Forstabbau in den europäischen Schwellenländern.

Was können die Verbraucher selbst tun?

Die Energiewende ist ein absolut wichtiger Schritt in eine saubere und sicherere Zukunft. Dennoch bringt ein solcher Umschwung moralische Verpflichtungen seitens des Verbrauchers mit sich. Wie alles im Leben hat auch die Nutzung von Holz als Brennstoff seine Schattenseiten. Erfreulich bleibt die Tatsache, dass das Heizen mit Holz und Holzpellets weitaus effizienter, umweltfreundlicher und kostensparender ist, als die Verwendung fossiler Brennmittel wie Erdöl und Gas. Einen hundertprozentigen Weg, die genaue Herkunft des verwendeten Brennholzes zu bestimmen, gibt es für den Verbraucher leider kaum. Es sei denn, er deckt seinen Jahresbedarf selbst ab, indem er eigenhändig erntet. Für alle anderen können Gütesiegel Auskunft liefern. Beispiele dafür sind:

  • FSC

  • PEFC

  • DIN plus

  • EN plus

Es gilt darauf zu achten, woher das Holz stammt. Nicht der niedrige Preis sollte die Kaufentscheidung beeinflussen, sondern das Bewusstsein, Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu erwerben. Es liegt am Verbraucher selbst, beim Händler nachzufragen und zu zeigen, dass ihm der ökologische Wert mehr bedeutet, als ein paar gesparte Euro. Schließlich ist es alleine der Verbraucher, der den Markt bestimmt.

Quelle: WDR

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